Druckreife Beziehung

Mit der Investition in gleich drei Heidelberg-Maschinen streben die Brüder Grasl mit ihrem Druckhaus in Bad Vöslau nun noch mehr Kundenbindung an.

Drei neue Hi-Tech-Druckmaschinen in Bad Vöslau

Das Ergebnis der umfangreichen Recherchen am Druckmarkt nimmt in der riesigen Produktionshalle des Druckhauses Grasl bereits Gestalt an: eine Speedmaster 52-5+L Anicolor produziert bereits, an eine Speedmaster XL 105 mit acht Farbwerken und Wendeeinrichtung wurden kurz vor Weihnachten die letzten Handgriffe angelegt, eine Speedmaster XL 105-5+L wird in den nächsten Tagen geliefert werden.

Ein solches Investitionsvolumen gerade mitten in einer der Systemkrisen der Druckbranche zu tätigen, der Orientierungslosigkeit der Branche klare Akzente entgegen zu setzen, erschließt sich ganz und gar nicht aus nackter Faszination an der Technik. Die Investitionsentscheidung der Brüder Grasl basiert auf einer recht vernünftigen Positionierung des Unternehmens: „Gerade im letzten Jahr hat sich deutlich heraus kristallisiert, wie dramatisch unterschiedlich sich die einzelnen Segmente im Markt entwickeln“, erzählt Karl Grasl. Gerade eine Druckerei wie das Druckhaus Grasl, mit ihrer für die Branche beachtlichen wirtschaftlichen Größe – rund 14 Millionen Euro Umsatz werden von etwa 110 Mitarbeitern erwirtschaftet – muss darauf achten, in allen größeren Marktsegmenten entsprechendes Volumen zu generieren. Das strahlt auch auf die Wahl der Maschinen aus: „Wir müssen mit einem Maschinenpark möglichst viele unterschiedliche Märkte optimal bedienen können“, meint Walter Grasl.

Viele Spitzen

Den beiden Speedmaster-Maschinen im Überformat 75/105 kommt die Rolle zu, im Bedarfsfall auch im Takt zu produzieren: Beide sind baugleich, in Zeiten der Spitzenauslastung können daher Aufträge gesplittet produziert werden. Und Spitzenauslastung war wohl auch der Grund, warum sich die Brüder Grasl zu so einer Großinvestition entschlossen haben: „Die neuen Maschinen geben uns rund 30 Prozent mehr Kapazität. Wir hatten in letzter Zeit streckenweise 24 Stunden täglich an sieben Tagen in der Woche zu produzieren. Das war nicht länger tragbar, weil uns damit teilweise jene Flexibilität abhanden gekommen ist, die wir unseren Kunden immer gewährleisten möchten. Wir haben mehr Luft gebraucht“, sagt Karl Grasl offen. Die Geschwindigkeit, mit der eine Druckerei zu liefern in der Lage ist, und die Servicetiefe sind jene beiden Faktoren, die eine immer größere Rolle spielen werden.

Leistungsführerschaft

„Wir wollen die Leistungsführerschaft“, so Walter Grasl. Wie sie aussieht, das beschreibt Walter Grasl so: „Zum Beispiel unterstützen wir unsere Kunden vor Ort dabei, ihren Workflow so zu kalibrieren, dass die bestmögliche Qualität und Farbtreue über den gesamten Produktionsprozess – von den Kunden-Daten bis zur Druckmaschine – gewährleistet wird, auf Wunsch auch mit hochauflösenden Feinrastern.“ So sieht Service aus, das seine Stärke nicht nur in der Beziehung zum Kunden ausspielt, sondern seine Wirkung dann auch direkt im Drucksaal zu entfalten imstande ist: „Wenn wir mit dem Color Management ganz früh beim Kunden und in der Druckvorstufe beginnen, können die Aufträge letztendlich auch wirtschaftlicher produziert werden“, ist Karl Grasl überzeugt.

Kalibrations-Kunststücke

Besonders gilt das wohl für die Anicolor-Maschine, die bei Grasl bereits Druckprodukte in höchster Qualität und kürzester Zeit herstellt. „Die Anicolor-Maschine ist ein Quantensprung, weil wir schon nach wenigen Bögen die richtige Farbgebung erreichen und die gesamte Auflage absolut farbstabil gedruckt wird. Damit bieten wir unseren Kunden eine neue Dimension im Druck an“, sagt Walter Grasl.

Farbenfroh

So ist es auch das automatisierte Farbmanagement, das schließlich den Ausschlag für den Kauf der beiden Speedmaster XL 105 gab: Mit Prinect Inpress Control ist bei beiden Maschinen ein Inline-Farbmesssystem integriert, das sich enorm auf die Produktivität auswirkt. „Die Farbmessung und die Farbsteuerung ist ein entscheidender Vorteil der neuen Maschinen. Mit dem neuen Inline-System ist hier auch eine neue Dimension erschlossen worden“, sagt Karl Grasl. Mit dem auf der Spektralphotometrie basierenden Inpress Control, wird die Farbgebung und der Passer von jedem Druckbogen inline geprüft und sofort nachgeregelt, womit eine stabile Druckqualität auf höchstem Niveau garantiert wird. Das erhöht nicht nur die Produktivität, sondern wohl auch das, worauf es den Grasls besonders ankommt: das Vertrauen der Kunden in die Präzision und bestmöglichen Qualität des Druckprozesses.

Einzigartiges Projekt

Die neuen Druckmaschinen von Heidelberg, die bei Grasl produzieren, sind übrigens auch Teil eines in Österreich einzigartigen Umweltprojekts. Das Druckhaus in Bad Vöslau fasst schon bisher seine zahlreichen Umweltmaßnahmen unter dem Label FairPrint by Grasl zusammen. Seit kurzem ist Grasl auch nach EMAS zertifiziert, der effizientesten Umweltzertifizierung der Europäischen Union. Keine andere Akzidenzdruckerei in Österreich kann das für sich in Anspruch nehmen. „Die Makulatur-Einsparung, die wir durch die Inline-Farbmessung in den Heidelberg-Maschinen erreichen, trägt mit dazu bei, die EMAS-Kriterien zu erfüllen“, erklärt Walter Grasl die Wechselwirkung von Inpress Control und grüner Selbstverpflichtung. Die EMAS-Zertifizierung selbst zeitigt einen schönen Effekt für das Druckhaus Grasl: „Der Verbrauch von Ressourcen wird dabei ständig analysiert, dadurch erhält man ein gutes Gerüst an Kennzahlen, wie wirtschaftlich die Druckerei eigentlich arbeitet und wo es noch Verbesserungspotenzial gibt.“

Zwischen Drucken und Dienstleistung: der Druckleister

Wichtige Rückschlüsse auf die Effizienz des Produktionsprozesses wird in den nächsten Wochen wohl auch die Vollintegration des Prinect-Workflows von Heidelberg geben, an der das Grasl-Team momentan arbeitet. Dann wird der gesamte Prozess vom Auftragseingang bis zur voll ausgestatteten Buchbinderei des Druckhauses von der Software kontrolliert und gleich an das MIS-System gemeldet. Was die Kunden davon haben? Genau. Noch mehr Service und Flexibilität, weil der Status aller Aufträge durch diese Vollintegration noch genauer definiert werden kann. Dadurch können notwendigen Kapazitäten für neue und kurzfristige Aufträge noch schneller bereit gestellt werden. „Die zentrale Frage in unserem Geschäft ist ja immer“, sagt Karl Grasl, „bin ich nur Drucker oder ein Gesamtdienstleister für die Kunden.“ Die eindeutige Antwort hat das Druckhaus Grasl mit ihrer langjährigen Strategie und den neuesten Investitionen schon längst gegeben.